Welche Wassergeister gibt es?

Welche Wasserwesen bezeichnet man als Wassergeister? Diese Frage habe ich mir gestellt, weil ich von ihnen immer wieder im Zusammenhang mit Meerjungfrauen gelesen habe. Darum habe ich mal etwas recherchiert. Was genau Wassergeister sind und welche Arten von Wassergeistern es gibt, habe ich hier zusammengestellt.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Wassergeistern. Einerseits Elementargeister (Undine) und weiterhin viele mythische Wassergeister wie germanische/nordische (z.B. Nixe/Neck), griechische (z.B. Wassernymphe), keltische (z.B. Kelpie), slavische (z.B. Rusalka) und weitere Wassergeister aus aller Welt.

Manche von den mythischen Wassergeistern, insbesondere den europäischen, ähneln sich, andere sind sehr verschieden. Welche germanischen, slavischen und weiteren Wassergeister es im Einzelnen gibt und was es andererseits mit den Elementargeistern auf sich hat, stelle ich im Folgenden vor.

Welche Arten von Wassergeistern gibt es und wie heißen sie?

Es gibt zwei Möglichkeiten Wassergeister zu klassifizieren. Einmal kann man die Wassergeister als Elementargeister nach Paracelsus und seinen Lehren der Naturphilosophie beschreiben. Hier werden die Wassergeister Undine genannt.

Andererseits kann man Wassergeister aber auch als Wesen aus Volkserzählungen und Mythen aus der ganzen Welt verstehen, die auf bestimmte Weisen mit dem Wasser verbunden sind. Alle Wassergeister hier haben verschiedene Namen.

In der folgenden Tabelle siehst du eine Übersicht über einige der bekanntesten von ihnen, wie sie heißen und wo sie herkommen.

Mythische HerkunftWeibliche WassergeisterMännliche Wassergeister
Europa
Germanisch / NordischNixeNix / Neck / Nöck
  Fossegrim und Strömkarlen
 Melusine 
GriechischWassernymphen (Najaden) 
 Meeresnymphen (Nereiden) 
KeltischKelpieKelpie
SlawischRusalka 
  Vodyanoy
Rest der Welt
AfrikanischMama Wata 
Ozeanisch Adaro

Neben dem Elementargeist Undine, der von Paracelsus erschaffen wurde, gibt es, wie gesagt, auch viele Volkserzählungen und Mythen über Wasserwesen, die heute auch als Wassergeister bezeichnet werden.

„Wassergeister“ dient an dieser Stelle als Sammelbegriff, mit dem alle die Wesen eingeschlossen werden, die auf bestimmte Weise mit dem Wasser verbunden sind.

Daher stelle ich im Folgenden ein paar der bekanntesten Wassergeister aus Volkserzählungen und Mythen aus Europa und der Welt vor.

Auf die Elementargeister von Paracelsus gehe ich an dieser Stelle aber nicht weiter ein, da die nur eine bestimmte Unterart von Wassergeist beschreiben und ohnehin nicht im Volksglauben verankert ist.

Was sind keine Wassergeister?

Außerdem sollte man die Wassergeister von den Wassergöttern und Wassergöttinnen sowie anderen Wasserwesen abgrenzen.

Die Wassergötter stehen in Zusammenhang mit religiösem Glauben und sind keine Wassergeister in dem Sinne.

Außerdem kann man die Wassergeister noch von Wasserwesen, wie etwa den Meerjungfrauen und Sirenen, abgrenzen. Manchmal werden sie zwar auch als Wassergeister bezeichnet, aber meistens werden sie mehr als tierartig oder menschlich und nicht so sehr als Geister verstanden. Darum habe ich sie hier nicht mitaufgenommen.

Mehr über den Unterschied zwischen Meerjunfrauen, Sirenen, Nixen und Nymphen habe ich hier geschrieben.

Im Folgenden erkläre ich nochmal die einzelnen Wassergeister genauer, die du oben in der Tabelle findest.

Germanische Wassergeister / Nordische Wassergeister

Nixe und Neck

Die bekanntesten germanischen Wassergeister sind die weibliche Nixe und der männliche Nix/Neck/Nöck. Diese Wassergeister existieren in mehreren germanischen Sprachen und haben dort sehr ähnliche Namen. In Dänemark heißt der Nix beispielsweise Nøkke, in Schweden Näck(en)/Nick.

Die Nixe und insbesondere der Neck werden meistens als böse oder gefährlich beschrieben.

Sie wohnen am Grund von Seen oder Flüssen. Manchmal kommen die Nixen Töchter aus dem Wasser, wo sie eine menschliche Gestalt annehmen, und mischen sich unter die Menschen, um etwas Spaß zu haben. Man kann sie nur an ihrem nassen Rockzipfel erkennen.

Manchmal ertränken sie Menschen, manchmal sind sie aber auch freundlich. Der Neck wird weiterhin oft als Kinderschreckfigur beschrieben und ist besonders gefährlich.

Strömkarlen / Fossegrim

Außerdem gibt es in Schweden noch den Strömkarlen (deutsch „Der Fluss Mann“) und in Norwegen den Fossegrim (deutsch etwa „grimmiger Wasserfall“). Das sind männliche Wassergeister, die dem Neck sehr ähneln. Sie leben meistens an Wasserfällen oder Wassermühlen, wo sie auf einer Harfe oder Geige musizieren.

Melusine

Ein weiterer germanischer Wassergeist ist die Melusine. Sie stammt aus einer mittelalterlichen Sage, in der sie sich immer, wenn sie sich in Wasser badet, in eine Meerjungfrau mit Fisch- bzw. Schlangenschwanz verwandelt.

Griechische Wassergeister

Zu den altgriechischen Wassergeistern gehören hauptsächlich die Nymphen des Wassers und Meeres.

Die Nymphen sind Naturgeister, die auch eher der Vorstellung eines Naturgeistes entsprechen. Denn sie leben jeweils in einem Gewässer, dass sie bewachen und sind somit mit diesem Gewässer verbunden.

Wassernymphen

Die Wassernymphen (Najaden) leben jeweils in einem Fluss, Bach, See, Teich oder einer Quelle.

Wenn ihre Quelle versiegt oder ihr Fluss austrocknet, dann müssen sie sterben. Somit können sie sehr lange leben, haben aber selbst keine Seele. Sie sind freundlich und helfen oft den Menschen denen sie begegnen.

Meeresnymphen

Die Meeresnymphen (Nereiden) dagegen leben im Meer.

Sie beschützen Schiffsbrüchige und unterhalten die Seeleute. Auf künstlerischen Darstellungen werden sie oft auf dem Rücken von Delfinen oder Hippokampen dargestellt (Mischwesen aus Pferd und Fisch).

Keltische Wassergeister

Kelpies

Die Kelpies sind schottische Wassergeister, die in den schottischen Lochs und Flüssen leben und ihr Aussehen verändern können. Sie haben normalerweise die Form eines großen, schwarzen Wasserpferdes, aber sie können sich auch in Menschen verwandeln.

Meistens werden die Kelpies in menschlicher Form als männlich beschrieben. Manchmal sind sie aber auch weiblich.

Wenn Wanderer den Fluss überqueren wollen, in dem sie leben, dann zeigen sie sich ihnen manchmal und verprechen ihnen sie hinüberzutragen. Wenn der Wanderer aber zustimmt und sich auf den Rücken des Pferdes setzt, dann reißt dieses ihm mit in die Tiefe des Flusses und frisst ihn auf.

Es ist aber auch möglich einen Kelpie zu bändigen. Dazu muss man es schaffen ihm eine Trense oder Schleier um den Kopf zu legen.

Slawische Wassergeister

Rusalka

Die Rusalkas sind russische Wassergeister, die in der Gestalt junger Mädchen oder Frauen auftauchen. Es wird gesagt, dass sie frühzeitig gestorben sind und nun als Wassergeist weiterleben.

Sie tauchen nur nach der Woche nach Pfingsten auf, der sogenannten Rusalka-Woche. Meistens werden sie als böse beschrieben. So stehlen sie Neugeborene, ertränken Männern oder führen Menschen in die Irre. Manchmal wird aber auch beschrieben, dass sie den Menschen helfen.

Vodyanoy

Der Vodyanoy (in Tschechien auch Vodnik gennant) ist ein männlicher Wassergeist, der sehr dem deutschen Neck ähnelt. Der Namen bedeutet im russischen so viel wie „der aus der Wasser“ oder „wässig“.

Auch er lebt in Seen, Teichen und Flüssen und führt nichts Gutes im Schilde. Von Aussehen her gleicht er einem alten Mann mit Frosch-Gesicht, grünlichem Bart und langem Haar und schwarzen Fischschuppen auf seinem Fischschwanz.

Sein Körper ist außerdem meistens von Algen und Matsch bedeckt. Er lebt auf seinem Fluss und kann manchmal gesehen werden, wie er auf einem Baumstumpf vorbeitreibt.

Wie die Rusalkas wird er für das Ertrinken von Menschen verantwortlich gemacht. Es wird gesagt, dass er die Menschen, die er in die Tiefe gezogen hat, als Sklaven für sich arbeiten lässt.

Wassergeister aus weiteren Teilen der Welt

Afrikanische Wassergeister

Mami Wata ist ein Wassergeist West- Süd- und Zentralafrika. Der Name ist Pidgin-Englisch und bedeutet „Mutter des Wassers“. Meistens ist dieser Wassergeist weiblich sieht aus wie eine Meerjungfrau, also halb Mensch und halb Fisch.

Zudem ist sie manchmal gutartig, kann aber auch Unheil bringen und die zerstörerische Kraft des Wassers symbolisieren. Manchmal lockt sie auch Menschen absichtlich an, um sie dann krank zu machen oder ähnliches.

Ozeanische Wassergeister

Adaro ist ein männlicher Wassergeist von den Salomoninseln nordöstlich von Australien. Er lebt im Pazifik bei diesen Inseln und entsteht, wenn der gute Teil der Seele einer Person stirbt und der böse Teil Überhand gewinnt.

Er hat ein recht bedrohliches Aussehen. Seine Füße sind Flossen und er einen Hai-Rückenflosse und eine Art Horn wie bei einem Schwertfisch auf dem Kopf.

Außerdem reisen sie manchmal in Tornados auf dem Wasser. Wenn die Fischer nicht vorsichtig sind und dem Adaro zu nahe kommen, kann es passieren, dass dieser sie umbringt, indem er Fische auf sie abfeuert.

Die Undine als Elementargeist

Die vier Elemente. Nach Paracelsus wacht über jedes Element ein Elementargeist.

Die Bezeichnung Wassergeister kommt aus der Naturphilosophie und der Elementargeisterlehre.

Die Elementargeister bzw. Elementarwesen hat vor allem Paracelsus, ein schweizerischer Arzt und Naturphilosoph aus dem 16. Jahrhundert, beschrieben. Er bezog sich dabei auf die Vier-Elemente-Lehre, nach der es vier grundlegende Elemente gibt.

Laut Paracelsus wird jedem der vier Elemente eine Art Elementarwesen zugeschrieben, das in diesem Element lebt.

ElementElementargeist
WasserUndine
LuftWaldleute
ErdeGnome
FeuerSalamander
Die vier Elementargeister und ihre Elemente.

Im Wasser leben die Undinen (bzw. Nymphen), in der Luft die Waldleute (bzw. Sylphen), in der Erde die Gnome (bzw. Pygmäen) und im Feuer die Salamander.

Wenn man Wassergeister also als Elementargeister nach der Lehre der Naturphilosophie versteht, dann sind also die Undinen gemeint.

Die Elementargeister haben laut Paracelsus zwar einen Körper, aber dieser ist nicht genauso wie ein menschlicher Körper. Sondern sie sind feinstofflich, das heißt ihr Körper besteht aus einem etwas anderen Material als Menschen.

Damit können sie sowohl in der Menschenwelt als auch in ihrem Element, also dem Wasser, existieren. So können die Undinen z.B. auch wie das Wasser fließen.

Paracelsus beschreibt die Elementargeister außerdem als seelenlos. Da sie selbst keine Seele haben können, müssen die Undinen einen menschlichen Mann heiraten. Nur auf diese Weise können sie erlöst werden.

Das ist natürlich ein ziemlich veraltetes Frauenbild, denn zu der Zeit von Paracelsus dachte man noch, dass Männer gottähnlicher sind und somit wohl diesen seelenlosen, weiblichen Wassergeistern dabei helfen konnten, eine Seele zu bekommen.

Elementargeister in der Literatur der Romantik

Auf dieser Idee von der Erlösungsbedürftigkeit beruhen auch die meisten literarischen Werke, die etwas später in der Literaturepoche der Romantik entstanden sind und von den Vorstellungen der Naturphilosophie beeinflusst wurden.

Zum Beispiel beschreibt Goethe in Faust wie er die Undinen und die anderen Elementargeister heraufbeschwört.

Auch die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen basiert auf dem Gedankengut, nachdem die Undinen erlösungsbedürftige Wassergeister ohne Seele sind.

Eine der berühmtesten deutschen Literatur zu Wassergeistern ist die Geschichte von Undine von dem Autor Friedrich de la Motte Fouqué.

Die Elementargeister waren, wie geagt, vor allem eine Idee der Naturphilosophen des 15. und 16. Jahrhunderts und sollten als Erklärung für Naturphänomene dienen. Nur durch die Literatur der Romantik im 19. Jahrhundert wurde die Idee dann bekannter.

Da die Elementargeister aus naturphilosophischen Erklärungsansätzen entstanden sind, gibt es aber keinen richtigen Bezug zu dem Volksglauben und Mythen, die in der Bevölkerung über Wassergeister über Jahrhunderte entstanden sind.

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